Montag, 9. März 2009

Schöner Schein

Auf einige Dinge in der Schwangerschaft kann man sich ja prima vorbereiten, weil man einfach weiß, dass man damit konfrontiert wird. Auf einen dicken Bauch logischerweise, den man ab dem 5. Monat am besten in H&M Mama Jeans mit Gummizug packt. Oder auf kluge Sprüche, Alkoholabstinenz und auf Schlafschwierigkeiten.

Aber nix und niemand bereitet einen auf den Bürokratie-Kram vor, der einen unweigerlich überrollt, wenn man einen neuen deutschen Bundesbürger im Bauch trägt. Pässe, Anträge, Scheine - das Ganze geht schon lange, lange vor der Geburt los. Der Mutterpass macht natürlich noch Spaß, ist ja quasi der Personalausweis fürs Baby, und man kann mit anderen Schwangeren sogar eine Art Quartett damit spielen: Sag mal Deinen Eisenwert. - 13,5 - Ha, gewonnen, ich hab 14,2! - Dann sag mal Deinen Röteln-Titer! undsoweiter undsofort.

Die Anträge für Elterngeld und Kindergeld dagegen machen schon weniger Spaß, eher Angst. Vor allem der fürs Elterngeld. Das sind sehr viele Seiten mit sehr vielen Spalten und Kästchen und Linien, und weil mir persönlich ja schon das Formular für den Lohnsteuerjahresausgleich Bauchschmerzen bereitet, liegen beide Anträge immer noch jungfräulich ganz unten im "Vor der Geburt noch erledigen"-Stapel. Ich fürchte allerdings, ich werde sie im Laufe der Woche wirklich mal ausfüllen müssen...

Direkt daneben liegt übrigens der Antrag auf Elternzeit. Den muss man 7 Wochen vor Beginn der Elternzeit beim Arbeitgeber einreichen. Der ist auch sogar schon fertig getippt, einzig das Geburtsdatum des Kindes fehlt noch. Denn erst ab da zählt natürlich die Elternzeit, und da die junge Dame sich standhaft weigert, ihre geplante Ankunftszeit preiszugeben, wird das noch ein bisschen warten müssen.

Und wenn wir grad beim Arbeitgeber sind: Die meisten arbeitenden werdenden Mütter wissen, dass es in den 6 Wochen vor und den 8 Wochen nach der Geburt noch Gehalt vom Arbeitgeber gibt. Das Wort "Mutterschaftsgeld" ist mir in diesem Zusammenhang durchaus auch schon untergekommen. Dass man das allerdings nicht automatisch bekommt, sondern bei der Krankenkasse beantragen muss, erklärt einem... nein, nicht die Krankenkasse. Auch nicht der Arbeitgeber. Sondern in meinem Fall die Frau meines Cousins, die just in dem Moment anrief, als ich mich beim Blick auf meinen Kontoauszug wunderte, dass schon nach einer Woche tatsächlichem Mutterschutz mein Nettogehalt spürbar kleiner ausfiel als noch im Monat davor. Du brauchst diesen Schein mit dem voraussichtlichen Entbindungstermin, sagt sie.

Ah ja, denke ich. Ach den. Na klar. Wo krieg ich den? Beim Arzt oder bei der Hebamme. Ach so. Interessanterweise aber auch erst auf explizite Nachfrage. Und den... reichst Du dann bei der Krankenkasse ein. Denen hast Du Deine Schwangerschaft ja schon gemeldet. Öhm... hab ich das? Nö. Hab ich nicht. Wusste ich nämlich nicht, dass ich das muss, so offiziell. Ich meine, die kriegen seit geschätzt 6 Monaten Abrechnungen von meinem Gynäkologen und meiner Hebamme über Schwangerschaftsvorsorge... da kann man ja vielleicht drauf kommen, dass... oder denken die, ich hab einen Deal mit meinem Gyn und der Hebamme und von der Kohle gehen wir bei Starbucks zu dritt Skatspielen und Kaffeetrinken?

Ein lieber Kollege allerdings klärt mich später auf, dass die Krankenkasse ja gar nicht sieht, was der Gyn da abrechnet... aber hey, spätestens bei der Hebamme, ich meine, WAS machen Hebammen? Naja, egal. Natürlich hab ich daraufhin brav bei der Krankenkasse angerufen und mich schwanger gemeldet und den Schein vom Gyn besorgt, der jetzt auf irgendeinem Schreibtisch bei der Krankenkasse in irgendeinem Stapel liegt. Hoffentlich nicht zu lange, da steht nämlich ganz klein drauf: Bargeld.

Ein anderer Schein, den man so ab der 36. Schwangerschaftswoche irgendwann bei seinem Arzt einsammeln sollte, ist der gelbe Schein für die Kliniktasche. Den kriegt man auch nicht einfach so, also, ich zumindest nicht, aber dank meiner Hebamme wusste ich immerhin, dass ich den brauche und beim Gyn einsammeln muss. Steht nämlich direkt hinter "Lieblingsmassageöl" und "Wollsocken" auf der "Was gehört in die Kliniktasche"-Liste. Er entpuppt sich als im Grunde simple Überweisung, die die Klinik zur Abrechnung braucht. Der lapidare Aufdruck im Feld mit der Überschrift Diagnose lautet: Entbindung. Ja, das macht Sinn, darauf noch mal hinzuweisen, dass ich wohl bald mal entbinden muss. Angesichts meines Bauches und der Beulen, die da manchmal rausgucken, nimmt mir die Story mit dem verschluckten Medizinball oder den üblen Flatulenzen auch langsam keiner mehr ab. :0)

Außerdem in die Kliniktasche gehört noch die Geburtsurkunde der Mutter. Also, der werdenden Mutter. Ich muss nachweisen, dass es mich gibt, quasi. Ich bin ja der Meinung, das sieht man. Ich bin außerdem sehr sicher, dass man es unter der Geburt auch wird HÖREN können. Aber hey, mich wundert nix mehr, also frage ich meine Mutter nach der Geburtsurkunde. Die hingegen wundert sich und rückt sie nur äußerst ungern raus: Die krieg ich aber wieder, ne?! Ja, Mama. Warum brauchst Du die überhaupt? Das weiß ich auch nicht, Mama. Ich weiß nur, dass ich sie NICHT bräuchte, wenn der Kindsvater und ich irgendwann vorher schon mal geheiratet hätten. Dann bräuchten wir nur unser Stammbuch. Haben wir aber nicht, und deshalb haben wir auch kein Stammbuch, und deshalb...

... müssen wir auch noch mal zum Jugendamt. Da brauchen wir dann die Geburtsurkunde des Vaters. Und der muss mit und unterschreiben, dass das Kind seins ist und er das Sorgerecht hat, wenn mir was passiert, und das Kind außerdem Anspruch auf sein gesamtes Erbe (ich glaube, an der Stelle werden wir wohl beide kichern müssen nächste Woche) und er kann dann auch nicht mehr mit seinem gesamten Ersparten türmen. Dass das mal klar ist!

Hat er aber wohl auch gar nicht vor, denn er kümmert sich sogar selbst um einen Termin beim Jugendamt und ruft Mitte Februar schon dort an. (Zur Erinnerung: Das Baby soll Anfang April kommen). Dort erfährt er, dass die für uns zuständige Sachbearbeiterin Frau K. derzeit im Urlaub sei und deshalb keine Termine vergeben werden können. Und wir uns ab 23. Februar noch einmal melden sollen. Ich rufe also direkt am 23. Februar unter der notierten Nummer an und erreiche eine unfreundliche Frau K., die mir erklärt, sie könne jetzt erstmal gar nix machen, die Kollegen hätten so viele Termine für sie gemacht, ich solle bitte in einer Woche noch mal anrufen.

Hier wundere ich mich das erste Mal, dass offensichtlich doch Termine in ihrer Abwesenheit vergeben wurden. Nur eben nicht für uns. Na gut. Ich streiche das Datum auf dem Post-it am Rechnerbildschirm noch einmal durch und rufe genau eine Woche später, am 02. März, noch einmal an. Und erreiche einen Anrufbeantworter, der mir erklärt, Frau K. sei heute nicht im Hause und ab dem 03. März wieder erreichbar. Exakt das gleiche Band läuft auch noch am Dienstag, den 03. März ganztägig. Am 04. März erreiche ich ein Band, auf dem mir Frau K. erklärt, Termine gäbe es nur nach vorheriger Absprache und man erreiche sie am besten vor 8 Uhr oder an Montagen ab 13 Uhr.

Fröhlich greife ich also heute morgen zum Hörer und wähle um 7.45 Uhr die Nummer von Frau K. - und erreiche eine tödlich genervt klingende Dame, die mir auf eine höfliche Nachfrage nach einem Termin zur Vaterschaftsanerkennung mit einem theatralischen Seufzer erklärt, ja, also, da müsse sie jetzt wohl erst mal das Programm starten und den PC hochfahren, das würde dauern. Nach 8 Minuten lustiger Überbrückungsmusik bellt sie dann in die Leitung: Name? ... Adresse?... Wie heißt der Vater?...hier antworte ich ohne großes Nachdenken und weiß im selben Moment, dass das schief geht. Und richtig: Den find ich nicht! Ist der hier überhaupt gemeldet!? Ja, ist er, aber hier kommt wieder der kleine Scherz seiner Eltern durch, die ihm insgesamt 5 Vornamen gegeben haben, und der Rufname ist natürlich nicht der, der... Sie müssen immer den ersten Namen angeben, dann findet man den auch!! Ja, natürlich, sorry. Am anderen Ende der Leitung genervtes Tippen (oh doch, man kann genervt tippen) und dann ein kurz angebundenes 23. März hab ich was frei. Gefolgt von einem spontanen Oh, eher nicht? meinerseits. Wann wird denn das Kind geboren? fragt Frau K. Anfang April, sage ich. Ja, da kümmern Sie sich natürlich dann auch ein bisschen spät drum!

Das ist der Moment, in dem ich gepflegt ausraste. Natürlich beschimpfe ich Frau K. nicht und wahre die Grundregeln der Höflichkeit, aber ich lese ihr mein Post-it vor und erkläre ihr in sehr deutlichen Worten, dass wir genau das seit Mitte Februar versuchen. Erstaunlicherweise wirkt es. Die Dame wird spürbar freundlicher sowie einen Hauch kleinlaut und erklärt wortreich irgendwas von erst Urlaub und dann zwei Tage da und dann krank geworden und die Kollegen haben mir so viele Zettel auf den Schreibtisch und ich mach das hier ganz alleine. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, das merkt sie wohl auch, und tatsächlich: Ich hab hier Donnerstag noch einen Termin, die Leute wollten sich melden, weil können vielleicht nicht, wäre das okay, das wäre um 9 Uhr, ich würde sie dann gleich noch mal anrufen... Natürlich, kein Problem. Und siehe da, eine halbe Stunde später klingelt mein Handy, und wir haben einen Termin um 9 Uhr. DIESEN Donnerstag.

Eigentlich fällt einem dazu nix mehr ein. Bis auf das hier. (Unten bei Track Nr. 10 auf Aktionen und dann auf Play drücken). Nein, ich bin kein Fan dieses Herrn, aber mein Bruder hatte mal eine Phase, und dieser Song ist mir spontan wieder in den Kopf gekommen.

Weil er einfach so fein passt.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ohjee ist das wirklich so kompliziert gewesen? Ich erinnere mich nur das ich großes Formulartamtam wegen der Hochzeit hatte. Geburtsurkunde wie was...argl. Das war arg kompliziert und verdammichnochmal ich weiß nicht wo ich die beglaubigte Kopie davon habe seufz. Ich habe nämlich einen anderen Nachnamen als meine Eltern...seufz. Nur 1 Buchstabe aber mit dem hab ich so meinen Spass.



Und die ganzen anderen Formulare hat eines meiner anderen ICHs³ ausgefüllt!?

Und diese Anrufgeschichte kommt mir sehr bekannt vor. Sowas hatte ich jahrelang, ich bin ja bei der Stadt, mit meiner Steuerkarte.
Irgendwann bin ich einfach dort aufgelaufen, hochschwanger und sehr genervt...und erst gegangen als das geklärt war. Naja für das Jahr...im nächsten Jahr selber MIST...
Liebe Frau y wenn sie nicht sofort ihre Lohnsteuerkarte einreichen werden wir sie in Lohnsteuerklasse 6 einstufen....gähn...

Anrufe...nicht da, Urlaub, Krankheitsvertretungen, AUssagen die nicht zutrafen....


Seitdem hab ich mir angewöhnt a,) den Namen aufzuschreiben b.) Telefonnotizen inkl. aller Daten zu machen und c.) dezent nach dem Vorgesetzen zu fragen.

Seitdem klappt das mit der Steuerkarte (naja hat ja nur ca. 9 Jahre gebraucht *haha*).



Und der formulare Regenwald wird nach dem erfolgreichem Pressen kein Ende haben. Geburtsurkunde, Meldungen, Kindergeld, Kinderarzt, Kindergarten, Schule³...



Die Papiertonne direkt im Hof hat
Ella

Das dicke Mädchen hat gesagt…

... das wird noch schlimmer?! Ach Ella, Du machst mir ja Mut... :0)

Anonym hat gesagt…

Jaja, ich bin da sehr aufbauend, gell.

Es wird nicht schlimmer, nur anders *flitz*.

Grinsegrüße
Ella, die die Tage mal wieder einen Läusezettel (ihr Kind ist von ihnen kontrolliert und ist a.) läusefrei/nissenfrei oder b.) behandelt mit Läusetotmachpräperat³)bekam und div. Nachrichten an die wichtigen Leute mitgeben musste, das dem Kinde keine Läuse gehören sondern er Milchschorf hat.
Dieser Schorf löst sich durch das geforderte Läusekammkämmen. Wenn ich das nämlich nicht mache sitze ich im Isolationsraum bei der Kinderärztin und hab dann bitte danke das Formula : Kind ist läusefrei ausgehändigt zu bekommen...

täglich ist irgendwas...ich sortiere nur noch in Klarsichthüllen, zack rein...alles ein Thema...zack mit dazu...seufz