Dienstag, 17. März 2009

(Schlaf)wandelndes Klischee


In der einen Sekunde lacht man noch über schlechte Werbefilmchen, in der nächsten wird man selbst zu einem. Das geht schnell, vor allem des Nachts, da muss man ganz fein aufpassen. Dabei war es nicht das himbeerjoghurtleichte Verlangen, das mich heute um halb vier morgens aus dem Bett trieb. Ich hatte auch keine neidisch dreinblickende joggende Freundin an meiner Seite. Ich hatte einfach Rückenschmerzen, und wenn man schon mal auf ist, kann man auch mal in der Küche vorbeischauen, immer nur ins Bad ist ja öde.

Während ich also gelangweilt mit einem Glas Saftschorle in der Küche rumstehe und meine Füße auf den Fliesen kalt werden, öffne ich die Kühlschranktür. Oh. Schokolade. Na sowas. Aufmerksam studiere ich das angehängte Kärtchen und versuche, das vorn aufgedruckte "Frohe Weihnachten!" nicht zu meinem Gewissen durchdringen zu lassen (ich WEISS ja, dass wir seine Oma zu selten besuchen...).

Eigentlich mag ich auch gar kein Merci. Echt nicht! Die Sorten sind nicht so meins. Helle Sahne? Hm... Nougat Sahne? Bäh! Kaffee-Sahne? Och nööö. Dunkle Mousse? Klingt fies. Bevor ich mich entscheiden kann, löst sich plötzlich der weiße Pappdeckel unten an der Plastikglocke, und der komplette Inhalt landet mit einem erstaunlich lauten Geräusch auf dem Küchenfußboden. Mist, denke ich. Und tatsächlich, nur 3 Sekunden später ertönt ein schläfriges Alles in Ordnung?! aus dem Schlafzimmer. Ich flöte sofort ein fröhliches Jahaaaa, alles prima! zurück. Aber es nutzt nix.

Noch ein paar Sekunden später steht der Kindsvater im Türrahmen der Küche und blickt auf den Merci-Segen zu meinen Füßen, die leere Plastikglocke in meiner Hand und die offene Kühlschranktür. Ich bin dankbar, dass er ohne Brille ziemlich blind ist und meine Gesichtsfarbe nicht erkennen kann, die in ungefähr der hübschen Schleife an der Plastik-Glocke entspricht. Er überzeugt sich auch nur kurz, dass ich a) nicht spontan in der Küche entbunden habe und auch nicht so aussehe, als wolle ich das innerhalb der nächsten Minuten tun und deshalb b) keine ärztliche oder sonstige Hilfe seinerseits notwendig ist, und verschwindet mit einem Grinsen und einem Kopfschütteln wieder im Schlafzimmer.

Und ich? Schäme mich ein bisschen, während ich alles wieder einsammle. Aber wirklich nur kurz. Ich bin schwanger. Ich darf das! Dann entscheide ich mich für ein Stückchen Mandel-Sahne - und schreibe im Vorbeigehen noch Yoghurette auf den Einkaufszettel am Küchentürrahmen ...

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Guten Morgen :),

ich finde Yog(ohne h)urette passt auch viel besser zu Katinka-pink-rosa-mit-Katzenapplikation-Baby-Accessoires

;).

Irgendwie klingt das nach kurz vor der Entbindung. Die Nächte *schudder* werden kürzer, die Männer häufig/er wach. Es gibt diver Panikkurven (ist es so weit...ne gut...jetzt aber...) die dann aber abebben.
Alle sind gerädert...und dann wenn es los geht wacht da MÄN net auf, weil war ja bis jetzt immer Fehlalarm.

Schokolädchen zum Kaffee rüberreichend
Ella

Anonym hat gesagt…

ich möchte auch schwanger sein, ein freifahrtschein für schokolade und sich mal richtig gehen lassen :-) was ist daran schlecht?

frauen haben es eh gut, es gibt frauenparkplatze und frauenhäuser, aber selbst da muss man euch hinprügeln :-)))) oopppssss...

liebste grüße ronny schlömer

Das dicke Mädchen hat gesagt…

... Herr Schlömer! Ich sehe, Sie haben sich Ihren speziellen Humor auch in Thailand bewahren können. ;0)) Allerdings hoffe ich, Sie haben sich ansonsten NICHT groß gehen lassen und tragen beim nächsten vom kleinen Mädchen bereits angekündigten Treffen ein enges T-Shirt mit kurzen Ärmeln *hihi* dann werde ich mir wirklich Mühe geben, bis dahin nicht zu entbinden!

Anonym hat gesagt…

hallo du schnuffi,
das ist bisher mein absoluter lieblingseintrag. ich habe ihn schon mehrmals gelesen und muss mich immer wieder aufs neue totlachen... ich kann mir diese situation und dein gesicht einfach sooooo unglaublich gut vorstellen!!!

dicken knutscha von deinem kleinen mädchen