Freitag, 13. März 2009

Neulich am Frühstückstisch...


... der Kindsvater und ich mümmeln in trautem Schweigen unsere Toasties mit Erdnussbutter und Marmelade. EinsLive berichtet über die Frankfurter Buchmesse und - natürlich - über das eBook. Wir lauschen und denken dabei so vor uns hin. Offensichtlich beide das Gleiche. Ich weiß ja nich eröffnet der Kindsvater die Diskussion. Nee, ich auch nich antworte ich. In den nachfolgenden 10 Minuten werden wir uns dann über zwei Dinge relativ schnell klar:


1. Wir finden das eBook doof.

Obwohl wir noch nie eines gesehen oder ausprobiert haben. Aber so rein vom Gefühl her... wie soll das denn gehen? Ein Buch muss doch aus Papier sein. Es muss einen Einband haben, den man kurz betrachtet, und eine Inhaltsangabe auf der Rückseite, die man noch mal liest, bevor man es wieder umdreht und die erste Seite aufschlägt - und das vielleicht sogar ein bisschen andächtig, weil es ein Buch ist, auf das man lange gewartet hat.

Und ich will doch nicht klicken, ich will blättern und jede einzelne Seite zwischen den Fingern spüren, die ja schließlich auch vom Fortgang der Geschichte zeugt. Wie oft hab ich beim 7. Harry Potter rübergeschielt auf die rechte Bettseite (ich hatte das kürzere Hölzchen gezogen...), um die Lesefortschritte des Kindsvaters zu überwachen? Wieviel musste denn noch? Zeigefinger zwischen die Seiten, kurz zugeklappt und abgeschätzt: Na, so'n Viertel vielleicht. Wie soll das mit einem eBook gehen?

Und dann die Eselsohren. Ja, wir machen welche. Weil wir Lesezeichen immer verbummeln und außerdem die Notwendigkeit auch nicht sehen. Ein Buch ist schließlich dazu da, gelesen zu werden, und warum soll man es nicht sehen dürfen, wie oft und gern es gelesen wurde - und wie oft es dabei auch mal aus der Hand gelegt wurde? Ich finde es jedenfalls witzig, wenn ich auf einer Seite aufhöre zu lesen, auf der oben die Ecke schon einmal geknickt wurde. Aha, denke ich dann, da war der Kindsvater auch kurz vorm Einnicken. Oder musste für etwas noch Spannenderes unterbrechen. Vielleicht ja für mich? :0) Also, wir befürworten Eselsohren. Und ich stelle es mir verdammt schwierig vor, in ein eBook ein Eselsohr zu machen...

Wir gehen aber sogar noch weiter: Selbst Kaffeeflecken oder Sandkörner auf und zwischen den Seiten findet man in einigen unserer Bücher. Zum Beispiel in dem hier.


Dieses Buch ist seit 1995 in meinem Besitz und im wahrsten Sinne des Wortes zerlesen. Ich weiß nicht, wie oft ich selbst es gelesen habe... ich weiß aber, dass der Kindsvater es mit auf unsere Neuseeland-Reise genommen hat, wir hatten ein paar Wochen vorher den ersten Teil der Verfilmungen im Kino gesehen... und dieses Buch hat zusammen mit den anderen beiden Teilen der Trilogie dazu beigetragen, aus ihm - vorher eher Gelegenheitsleser - endgültig einen totalen Lesefan zu machen. Es hat uns auf der gesamten Reise begleitet, auf der wir beide sowohl den Geschichten Tolkiens als auch dem Land der langen, weißen Wolke auf ewig verfallen sind. Es hat Sand von einem Tag am Strand nahe Whangarei zwischen den Seiten und Kaffeeflecken von einem verregneten Nachmittag in einem Starbucks Café-Sessel in Christchurch. Und bevor ich gleich vor Sentimentalität vorm Rechner zerfließe: Alles was ich eigentlich sagen will ist, dass dieses Buch damit nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern ganz viele. Geht das mit einem eBook? Nö. Deshalb müssen wir auch keins haben. Und aus all diesen Überlegungen und Betrachtungen erwächst an diesem Morgen am Frühstückstisch schließlich die zweite Feststellung:

2. Unser Kind tut uns jetzt schon leid.

Eben weil die wunderbaren technischen Neuerungen unserer Zeit offensichtlich jetzt schon gnadenlos an uns vorbeigehen. Gut, wir besitzen einen Computer, ein Handy, einen iPod. Aber das wars auch schon. Wir laden keine Musik, wir kaufen immer noch CDs, weil wir die Booklets so hübsch finden und das Teil lieber so im Regal stehen haben statt als in der Eile unbeschrifteten Silberling, von dem schon nach einer Woche irgendwie keiner mehr weiß, was da jetzt eigentlich drauf ist... hoffnungslos also, und unsere Tochter wird wohl in nicht allzuferner Zeit vor uns stehen, über irgendwas berichten (und im Zweifelsfall haben wollen), das wir nicht kennen, und augenrollend fragen: Boaaah, lebt Ihr eigentlich hinterm Mond?

Und vielleicht werden der Kindsvater und ich uns dann über unser Erdnussbutter-Marmeladen-Toastie hinweg ansehen und denken: Jau. Tun wir. Und finden es eigentlich ganz nett da.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Mausi, Du sprichst mir aus der Seele!!! Es gibt viele nette technischen Neuerungen, aber in meinen Augen sind viele davon unnütz bzw. vereinfachen das Leben so extrem, dass es einem doch nicht mehr lebenswert vorkommen kann, wenn man jedem Trend folgt - zumindest würde es mir so gehen.

Ich liebe Bücher, Bildbände, CDs und DVDs - der Trend mit dem Herunterladen ist total an mir vorbeigerauscht. Am liebsten würde ich auch ab und zu den Plattenspieler von unserem Konzertschrank aus dem Jahre 1970 anschmeißen, aber das geht dem Björn dann einen Tick zu weit...

Und ja, ich gebe es offen zu, ich schreibe nach wie vor gerne Postkarten und Briefe.

Meine Kids werden also auch mich für uncool und vollkommen out halten...

Dicken Knutscha,
die Brischitte