Donnerstag, 16. August 2012

Sushi für alle...

... nur nicht für Schwangere. Sollte man meinen. Und wird so empfohlen. Von der DGE zum Beispiel. Oder vom Berufsverband der Frauenärzte. Trotzdem gibt es immer Leute, die es NOCH besser wissen. In diesem Fall die Frauenärztin, bei der ein Kollege gerade mit seiner in der 8. Woche schwangeren Frau war. "Natürlich dürfen Sie Sushi essen", sagt die Ärztin, "wenn das gefährlich wäre, gäbe es ja schließlich keine Japaner mehr."

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir stellen sich bei solchen Aussagen die Nackenhaare hoch. Ich weiß nicht, ob es Statistiken gibt, wie hoch die Fehlgeburtenrate bei Japanerinnen aufgrund von Listeriose-Infektionen ist. Ich weiß auch nicht, ob das Immunsystem von Japanerinnen möglicherweise erfahrener und effektiver in der Abwehr von Listerien ist, weil sie viel mehr rohen Fisch essen als Europäerinnen. Ich vermute es aber fast mal. Was mich aufregt, sind zwei Dinge: 1) Die Naivität, die Aussage eines einzelnen Arztes als einzig gültige Wahrheit hinzunehmen. Auch Medizinermeinungen sind subjektiv und nicht immer reflektiert und auf dem neusten Stand. Wer Verantwortung für sich und für das Leben im wachsenden Bauch übernimmt, der sollte - so möchte man meinen - doch auch mal über den Tellerrand hinausblicken und andere Meinungen einholen. Ja, ich gebe zu, ich übertreibe das manchmal. Google war in der ersten Schwangerschaft mein engster Vertrauter und schlimmster Feind zugleich. Ach ja: Roher Fisch sei sogar gut für die Entwicklung des Gehirns des Ungeborenen, fügte die versierte Gynäkolgin noch an. Ja, sage ich dem Kollegen, da hat sie recht. Sie redet von Omega-3-Fettsäuren. Die gibt es in Kapselform im jedem Drogeriemarkt. Ohne Listerien oder Toxoplasmose... 2) Die mangelnde Bereitschaft, in der Schwangerschaft auf etwas zu verzichten. "Da macht man sich ja verrückt, wenn man das alles nicht mehr isst." Mag sein. Aber wie schwer kann es bitte sein, 9 Monate lang mal kein Sushi zu essen? Keinen Rohmilchkäse? Und keinen rohen Schinken? Wirklich sooo schwer? Wenn dieser Verzicht schon zu viel ist, wie kommen diese armen Frauen dann nach der Geburt klar, wenn für mehrere Monate auf so elementare Dinge wie Schlaf, Privatleben oder eine in Ruhe aufgegessene Mahlzeit verzichtet werden muss?

Nicht falsch verstehen - ich versuche ebenfalls, so gut es geht, in erster Linie Mensch und Mutter zu sein und nicht Märtyrerin. Ich frage mich einfach wirklich nur, ob es zu viel verlangt ist, sich als Schwangere bei bestimmten Dingen einzuschränken. Es gibt keine absolute Sicherheit. Ich kann auf Sushi, Parmaschinken und Gorgonzola verzichten und trotzdem genau die Erbeere erwischen, auf die beim Nachbarn auf dem Feld die toxoplasmoseinfizierte Katze geschissen hat. Schwangersein ist Risiko. Kinderhaben ist Risiko. Leben ist Risiko. Aber wenn es doch so einfach ist - wie beim Verzicht auf Sushi - dieses Risiko zumindest einzuschränken, warum tut man es dann nicht? Kein Sushi essen - so einfach, wie sich im Auto anzuschnallen. Wie seht Ihr das? Vor allem die (Ex)-Schwangeren?
Würde mich mal interessieren.
 Viele Grüße
Das dicke Mädchen (aka Paniknase, Besserwisserin & Moralapostel)

3 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Nee seh ich wie du - schlimm auch wenns um den Alkohol geht und Zigaretten... aber wir können die Welt nicht retten... - nur laut dagegen protestieren... mhm - sagte ich schon mal vor kurzem... ändert sich wohl nie ;/

Das dicke Mädchen hat gesagt…

... immerhin, in diesem Fall hat es gefruchtet - die Herrschaften aus dem dem aktuellen Beispiel haben sich nach meiner Intervention und Weiterleitung von Links im Netz vom Gegenteil überzeugen lassen und wollen auf Sushi verzichten. Ich hoffe, sie essen nicht stattdessen Mettbrötchen *grins*

4Piepers hat gesagt…

Ne, was freu ich mich, das hier wieder Leben reinkommt - würd meine Omma jetzt sagen :-) Der Blog hat Dich wieder!!! Also, ich bin da ja auf der sicheren Seite: Ich esse niemals Fisch :-) Mettbrötchen schon lieber, aber habe ich auch drauf verzichtet - schon 2 x 9 Monate und hab es überlebt!!! :-) Bei mir war es aber auch doof, denn kaum hatte der Arzt "keine Rohmilch" gesagt, hatte ich ständig Hunger auf Gorgonzola... Seit der Entbindung der beiden - wie bekannt nun 6 und 9,5 Jahre her - habe ich vielleicht 5x Gorgonzola gegessen... Ich kann nur sagen, JEDER VERZICHT IST DAS ERGEBNIS WERT! Wenn mir die Schwangerschaften ansich nicht so schlecht gelegen hätten, würde ich es immer wieder tun!
Ich freu mich auf mehr Geschreibsel :-)
Drück Dich und alle deine Lieben