Samstag, 10. Juli 2010

Sommer!

Und zwar ganz unzweifelhaft. Die Temperaturanzeige auf dem Elternteil des Babyfons zeigt 30 Grad im Schlafzimmer. Die 30 blinkt hektisch, darunter steht das Wörtchen "Hoch". Ach nee. Bisschen dankbar bin ich dem Babyfon schon, weil, DA wäre ich jetzt nich drauf gekommen, dass 30 Grad zu hoch zum Schlafen sind. Dabei ist das Schlafzimmer schon der kühlste Raum der gesamten Wohnung. Also Augen zu, Schlafsack aus und durch: Das Baby pennt relativ ungestört nur im ärmellosen Body und lässt sich von den hohen Temperaturen wenig beeindrucken. Auch tagsüber stört sie die Hitze nicht wirklich. Und ich? Ich nehme mir ein Beispiel und nöle ausnahmsweise relativ wenig über die eigentlich unerträglichen Temperaturen. Vielleicht, weil es selbst zum Nölen schon zu warm ist.

Vielleicht aber auch, weil selbst Mörderhitze mit Karla nur halb so schlimm ist. Weil es so viele Sachen gibt, die mit ihr Spaß machen, und das nur bei 36 Grad. So haben wir den heutigen Tag eigentlich überwiegend auf dem Balkon verbracht. Der ist zwar gerade mal 2 Meter mal 2 Meter groß, aber der Kindsvater hat ihn hübsch hergerichtet mit weichem, grünen Kunstrasen und drei untereinander an den Holzrahmen genagelten Iso-Matten mit der Silberseite nach außen. So sitzen wir also im Schatten, das Elbenkind und ich, ich mit dem Rücken an die kühle Betonwand und Karla mit nacktem Püppes in ihrem Mini-Planschbecken. Da kippt sie unermüdlich Wasser von einem Förmchen ins andere und nimmt zwischendurch einen kräftigen Schluck. Sie spielt mit einer kleinen, ausgespülten Cola-Flasche und stellt fest, dass die Etiketten sich im Wasser nicht nur von der Flasche lösen, sondern danach total prima am Blumenkasten oder am eigenen Bauch kleben. Sie entdeckt, dass man Laugenbrötchen kaum noch kauen muss, wenn man es nur lange genug ins Wasser hält. Zwischendurch klettert sie aus dem Pool heraus, um sich auf den Kunstrasten zu setzen und ihre Füße zu untersuchen, oder sich auf die kleine Fensterbank unter der Balkontür zu setzen und zu lauschen, ob unten irgendwo Hunde bellen.

Ob der Kunstrasen wohl doch piekt am Popo? Jedenfalls steht sie immer öfter auf und läuft ein paar Schritte an meiner Hand oder mit ganz leichtem Abstützen an der Wand. Das sieht in nackig noch viel niedlicher aus als in angezogen. Durch die Wohnung flitzt sie auch vorzugsweise nackig und sitzt auf den Fliesen in der Küche, schön kühl da und damit der perfekte Ort, um ein Obstgläschen aus dem Kühlschrank zu löffeln, kalte Nudeln vom Vorabend zu naschen oder mit Mama ein Glas O-Saft-Schorle zu teilen - mit zwei Strohhalmen. Hach. Wenn ich da also sitze, auf den Fliesen in meiner Küche, und meine verschwitzte Tochter beobachte, wie sie andächtig am Strohhalm zieht, um mich dann anzustrahlen... dann finde ich 36 Grad eigentlich ganz nett...

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