... und das geht so: Kind bei der Tagesmutter eingewöhnen. Existenz gründen. (Jahaaa. So heißt das offiziell!). Stundenlohn mit dem Arbeitgeber aushandeln. (In diesem Falle die gleiche Agentur wie vorher, nur jetzt eben als Freie Texterin und nicht mehr als Angestellte). Und voilá: Mama ist zurück im Job.
Bist Du aufgeregt? fragt mich der Kindsvater heute morgen. Nee, sage ich. Ich kenn die Pappnasen doch alle, die da arbeiten. Und die Jobs auch.
Während er also das Kind wickelt und befrühstückt, stehe ich im Bad und vorm Kleiderschrank und vorm Schuhschrank. Die Entscheidung, die ich vor Letztgenanntem treffe, erweist sich schon auf dem Weg zum Bahnhof als falsch. Die neuen trendigen Sandalen im Römerlook mit relativ hohem und ebenso schmalen Keilabsatz mögen meine gestern frisch lackierten roten Zehennägel vorteilhaft zur Geltung bringen... sie eignen sich aber dummerweise nicht, um damit zu rennen. Und das muss ich, mein Zeitmanagement ist nämlich wie immer eine Katastrophe. Lerne ich das jemals? frage ich mich, während ich mit den schicken Schühchen und dem Kind im Buggy zum Bahnhof rennen. Karla hat Spaß und wehende rote Haare. Mama hat keinen Spaß, ein hochrotes Gesicht und Schwitzeperlen auf der Oberlippe. Immerhin, wir erwischen die S-Bahn in letzter Minute und stehen zwischen den Pendlern. Karla winkt wie immer fröhlich in die Runde und zaubert ein Lächeln auf die meisten der umstehenden Gesichter. Ich nehme mir zum geschätzt 185. Mal vor, meinen Arsch eher aus der Wohnungstür zu bewegen, wenn es eine S-Bahn zu erwischen gilt. Erst recht die am allerersten Arbeitstag.
Der Rest läuft gut.
Die Tagesmutter wartet am S-Bahnhof, nimmt Karla in Empfang und verstaut sie im Auto. Ich verstaue mich und meine wehen Füße im Bus und komme halbwegs pünktlich in der Agentur an. Leider ist mein alter Arbeitsplatz vergeben, ein Nachwuchstexter textet dort seit einiger Zeit, und es scheint mir ungerecht, ihn zu vertreiben – zumal ich dann geschätzt 50 % der Zeit mit meiner lieben Kollegin und Freundin quatschen würde, mit der ich mir früher dieses Zimmer geteilt habe. Also Einzelhaft, der Effektivität wegen. Ich beziehe das Büro meines ehemaligen und wegen Ineffektivität abgesetzten Chefs schräg gegenüber. Bisschen schräg auch das Gefühl. Nicht, dass ich ihn nicht geschätzt hätte... Meine Kollegin hat Pfingstrosen auf den Tisch gestellt und umarmt mich zur Begrüßung. Ich packe mein MacBook auf den Tisch und krame Briefingunterlagen hervor. Welcome back. War ich nicht gestern noch schwanger?!?
Sechs Stunden gehen schnell rum. Natürlich denke ich zwischendurch immer wieder an das Elbenmädchen. Isst sie gerade? Schläft sie gut ein? Auf dem Weg zur Tagesmutter freue ich mich wie Bolle. Karla strahlt, als sie mich sieht, und tanzt und wippt ein bisschen vor Freude. Ich setze sie in den Buggy und schiebe Richtung Bus.
Merke: Arbeiten macht mehr Spaß, wenn man danach das entzückendste kleine Mädchen der Welt abholen darf.
Viel, viel mehr.
1 Kommentar:
Hallo Katja,
das klingt einfach rundherum gelungen und sehr sehr spannend.
Ich wünsch dir einen guten Wecker ;)...Schuhe die schön und bequem sind...und ruhige Tagesanfänge und schöne Feierabende...
Der hiesige Pubertäter *lächel* lässt mich immer noch nicht ausschlafen. Ich muss jetzt noch früher aufstehen, als eh schon, weil er morgens sich früher den Wecker stellt und die Küche plündert (man nehme 1x Schokocreme NdR Krem und brate sich Spiegeleier...usw. usf.)...er steht freiwillig früher auf...weil er damit besser klar kommt...waaaaahhhhhhh
freiwillig morgens um 06.00 Uhr...angeblich hab ich das früher auch gemacht, also wurde mir berichtet?
Mittlerweile hat mich die Alt(ags)ersmüdigkeit erfasst und ich bin froh wenn ich schlafen kann und wenn dann gerne LANGE!
Sodele es grüßt dich, frisch von der Arbeit kommend
E l l a
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