Freitag, 20. November 2009

Naaa, Puppe?!

Neulich an der Ampel. Karla in der Manduca, ohne Mütze, mit wehendem roten Haupthaar und gut gelaunt. Eine Dame mittleren Alters verleiht ihrem Entzücken mit osteuropäischem Akzent Ausdruck. „Ooo... wie hübsch... sieht aus wie Puppe!“. Ich nicke freundlich und denke: Jedes Mal, wenn das einer sagt, 5 Euro - und wir wären reich. Tatsächlich höre ich das ziemlich häufig, einen Tag vorher erst von der Bedienung im Café, wo Karla würdevoll im Hochstuhl thront, während ich mit einer Freundin den obligatorischen Apfelpfannkuchen verspeise.

Liegt das an den vielen Haaren? Hören andere Mütter das auch ständig? Natürlich finde ich, dass mein Baby das unbestritten schönste der Welt ist. Aber der Vergleich mit einer Puppe? Hm. Okay, mit einer Puppe gemeinsam hat sie das nach wie vor relativ handliche Format und die Tatsache, dass man sie an- und ausziehen kann, wie man möchte. Nun ja.

FAST. :0)

Puppen, da bin ich mir sicher, krakeelen und schimpfen nicht wie ein Rohrspatz, wenn man ihnen Pullover über den Kopf zieht. Und sie brechen bestimmt nicht in ohrenbetäubendes Gebrüll aus, wenn man ihnen in der Düsseldorfer Fußgängerzone die Mütze zurecht rückt.

Puppen zu füttern macht garantiert auch nicht so viel Spaß wie Karla zu füttern. Zumindest machen sie nicht so wohlige Schmatzgeräusche bei jedem Löffel Apfelbrei und schaffen es auch nicht, eine Reiswaffel so gründlich weich- und auseinander zu lutschen, dass die Krümel nur mit einem Ceranfeld-Schaber wieder vom Parkett zu entfernen sind. Dafür, das dürfte ein Vorteil sein, kotzen Puppen einem so gut wie nie die angerührte und scheinbar nicht so gut verträgliche Bio-Säuglingsmilch mit 3 Stunden Zeitverzögerung von Papas Arm aus quer durch die ganze Küche.

Puppen kann man einfach hinlegen, wenn man genug von ihnen hat. Davon ab, dass der Kindsvater und ich uns nicht vorstellen können, je genug vom Elbenmädchen zu haben, klappt das bei Karla auch eher bedingt. Im Moment sowieso nicht, weil Madame nun doch endlich auch ungepuckt schlafen möchte. Seit einiger Zeit haben wir also kein verschnürtes kleines Päckchen mehr neben uns liegen, sondern ein höchst mobiles Baby, dass sich im Schlaf munter auf den Bauch, die Seite und wieder zurück dreht. Blieb also nichts anderes übrig, als den kleinen Babybalkon am Bett ab- und das große Ikea-Gitterbett aufzubauen.

Da liegen wir also nun des Abends, Karla und ich, jede auf ihrer Seite des Gitters, und finden es, mit Verlaub, echt Scheiße.

Das Kind, weil sie mit der neuen Weite um sich herum nicht umgehen kann, lustig umherkullert, sich mit Beinen und Armen zwischen den Holzgitterstäben verheddert und sich am massiven Kopfteil gnadenlos die Rübe stößt.

Die Mutti, weil ihr schlichtweg das Herz blutet, wenn das Baby mit seiner Stirn möglichst nah versucht dahin zu kommen, wo die Stimme leise "Weißt Du, wie viel Sternlein stehen" summt - daran gewöhnt, dass wir sonst Stirn an Stirn und Nase an Nase kuscheln, während sie einschläft.

Dann erinnert Karla eher an ein kleines verzweifeltes Käfigtier als an eine Puppe, und ich warte nur darauf, dass das Baby in der Nacht irgendwann wach wird und trinken will, damit ich es danach selig schlummernd direkt neben mich auf der Matratze ablegen und endlich wieder die Nase in die Haare wuscheln kann.

Tja, das alles erzähle ich der Frau an der Ampel natürlich nicht, so lang ist ja keine Rotphase. Und vielleicht hat sie auch selbst Kinder und weiß, dass Babys mit Puppen tatsächlich nicht viel mehr gemeinsam haben als das niedliche Aussehen. Dafür aber Glücksgefühle bei Muttis machen, die keine Baby Born der Welt in jungen Puppenmuttis hervorrufen könnte...

2 Kommentare:

Su hat gesagt…

Hallo Ihr!

Eure Karla ist echt zucker! Ich versteh dich so gut mit dem Bett...

Wir haben damals aus dem großen Kinderbett einen Babybalkon gemacht, in dem wir ein Gitter wegließen und das Bett an diese offenen Seite angeschlossen haben.
Bei uns ist auch noch kein Kind aus diesem Bett gefallen (wir haben 3). Ich genieße es auch immer noch sehr, wenn sich der kleine Erdenbürger mit fast zwei nachts an Mama kuschelt... *lach*

GLG, Susann

Die übliche Verdächtige hat gesagt…

Seufz, doch doch kenne ich.

Naja und wenn ich jedes mal nen 5er bekäme für a.) das ist aber ein freundlicher junger Mann (selbst vom Kinderpsychologen, derweil wir dort wegen trotz und oppodingenskirchen waren)
....äh was war...ach vergessen...

*wir schwenken rüber zur Schreiberin dieses Kommentares*

Wenn ich jedes Mal auch nur annäherungsweise einen Kaffee bekäme, von den Männern, die mir genügend attraktiv finden um mir hinterherzuschlinzen...
ja dann...ja dann...würde ich jetzt in meiner Kaffeebadewanne liegen oder nicht 2sek. zu spät sein sondern genau passend und dann steht er da der Traumprinz und sagt: Liebste *Name von der Readaktion geändert* ....mit einem Lächeln zum niederknieeeeeeennnnn, wir ...ich...stammel...Kaffee? Ja? .......und wir haben *zensiert zensiert* weil wir uns unwiederstehlich finden und irgendwann gerne auch mal das Tragetuch oder MAnduka oder sonstwas für unsere Genabkömmlinge haben möchten...


Genieße es, ich hab mich immer über freundliche Menschen, strahlende Augen gefreut. Das überträgt sich dann auf einen selbst, sie mögen dein Kind ohne wenn und aber. Schön ist das.

Schwer überdreht
Die übliche Verdächtige