Mittwoch, 12. August 2009

Das Leben ist laut...

... und zwar - entschuldigung - SCHEISSLAUT! Warum ist mir das ohne Baby eigentlich nie aufgefallen? Und warum hupen irgendwelche Idioten im Straßenverkehr immer dann, wenn ich mit der gerade ins Land der Träume gewanderten Karla im Kinderwagen an diesen Blödmännern vorbeifahre? Startende Motorräder. Klingelnde Straßenbahnen. Über Bodenschwellen rappelnde LKWS. Ein einfahrender ICE, dessen Bremsen so quietschen, dass ich schon fast einen Hörschaden bekomme. Wie muss sich das alles für Karla anhören?

Stimmt schon, Gewitter verschläft sie. Zumindest auf meiner Brust. Aber allein im Bett sieht das auch schon anders aus. Da wird das Abschlussfeuerwerk der ohnehin ungeliebten größten Kirmes am Rhein für Mama und Papa, die es sich gerade mit dem Abendessen auf der Couch gemütlich gemacht haben, zur echten Geduldsprobe. Was früher nur mit Achselzucken und einem „Ach ja, die blöde Kirmes ist zu Ende“ quittiert wurde, scheppert jetzt aus dem Babyfon und treibt den Adrenalinspiegel hoch, weil jede Rakete noch lauter zu sein scheint als die davor. Und es kann doch nur eine Frage der Zeit sein, bis das Kind... KNALL .... boah, muss das jetzt sein?! ... ZISCHHHHH... BRITZEL... sag mal, wie lang geht denn dieses Scheiss-Feuerwerk... KA-WUMMMM... diese PENNER! (Sie ist gottseidank nicht wach geworden.)

Das größte akustische Abenteuer jedoch sind nach wie vor die Zugfahrten mit dem kleinen Elbenmädchen. Das geht im Bahnhof schon los. Nein, das Gequassel und Gewühl der vielen Leute stört sie schon lange nicht mehr, dazu ist sie zu sehr Großstadtkind. Aber die Ansage in den Aufzügen des Düsseldorfer Hauptbahnhofs ist definitiv für an sich gehörlose Menschen konzipiert worden. Anders ist es nicht zu erklären, dass die freundliche Dame aus dem Lautsprecher ihre Ansage nicht einfach nur sagt, sondern wirklich brüllt. BAHNSTEIG. LINKS GLEIS 14, RECHTS GLEIS 13. Ah ja, danke. Und das Kind wäre dann jetzt auch wieder wach. (Mittlerweile wissen der Papa und ich, welchen der beiden Lautsprecher wir mit der Hand zuhalten müssen). Über die Lautstärke der Züge beim Einfahren bzw. das unsägliche Kreischen der Bremsen sprachen wir schon... bleibt noch das Lärmpotential IM Zug selber. Auch hier gibt es Lautsprecher. Und zwar so weit oben, dass man sie noch nicht mal zuhalten kann. So wich vor kurzem meine Freude über einen aufgrund massiver Verspätung meines Regionalzuges freigegebenen ICE purem Entsetzen, als ich feststellen musste, dass der Zugführer scheinbar eine ordentliche Portion Quasselwasser getrunken hatte.

Denn in diesem ICE, in den ich mit der gerade nach langem Ich-bin-müde-krieg-es-aber-nicht-hin-zu-pennen-Kampf endlich im Bondolino eingeschlafenen Karla eingestiegen war, wurden nicht nur bei jedem Halt sämtliche Anschlusszüge durchgesagt. Sondern auch die Angebote im Boardrestaurant. Und das alles erst auf Deutsch... und dann noch mal auf Englisch. Shit happens.

Und dann gibt es natürlich eine ganze Reihe von Mitreisenden, die man sich im Zug leider nicht aussuchen kann und schon bald auf den Mond statt neben sich ins Abteil wünscht. Allen voran gemischte Reisegruppen wie Kegelclubs oder Wandervereine, die mit reichlich Alkohol und zweifelhaftem Humor das Mehrzweckabteil in Beschlag nehmen und nicht darauf kommen, dass ich in meinem Kinderwagen keinen Kasten Bier, sondern ein schlafendes Kind versteckt habe. Auch andere Kinder sind eine Aufwach-Gefahrenquelle - schließlich ist Karla in unzufriedenem Zustand selbst laut genug, eine ganze Armee aufzuwecken. Hier stelle ich ganz neue Seiten an mir fest, wenn ich ohne mit der Wimper zu zucken den netten jungen Mann neben mir bitte, er möge seinen ca. 3 und 6 Jahre alten Töchtern doch bitte das Ballspielen (!) im Abteil untersagen, weil meine Tochter bei den fröhlichen Juchzern nicht in den Schlaf findet. Woraufhin er ein Buch aus der Tasche kramt und zu meiner Erleichterung beide Grazien auf seinem Schoß zu Zimmerlautstärke bändigt (danke nochmal...).

Betrunkene Jugendliche, die in Herne in den Zug steigen und sich gegenseitig mit dem neusten Gangsta-Rap-Songs auf ihren Handys überbieten, verursachen bei mir ebenso nie gekannte Hassgefühle wie Fußball-Fans, die auf dem Weg nach Dortmund im Zug schon mal kräftig ihre Stimmbänder ölen.

Ich könnte noch ewig so weiterschreiben. Ehrlich. Und ich möchte manchmal den ganzen Tag mit dem Finger an den Lippen rumlaufen und „Psssssssssst!“ machen. Ich weiß, sie muss sich an all das gewöhnen. Und ich kann dem Motorradfahrer keinen Vorwurf machen, dass seine Maschine so laut ist beim Starten. (Früher fand ich laute Maschinen sexy, vor allem, wenn ich mit dem Kindsvater gemeinsam draufsaß). Aber manchmal wünsche ich mir ein gaaaanz kleines bisschen mehr Rücksicht auf die empfindlichen Ohren meiner kleine Tochter und ihren kostbaren Schlaf...

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